Glanzvolle Repros in SW-Fotoqualität auf „Phoeno Matt“
Goethe leistete Vorschub: Der Fotograf Harald Wenzel-Orf ging mit der Dichter-Büste durch die Weimarer Wohnzimmer. Seine Schnappschüsse unter dem Buchtitel „Der steinerne Gast“ führten bei den „Medien-Profis“ in Leipzig zur fotorealistischen Bildwiedergabe.
Die Anpassung an den Druck und das gewählte Scheufelen-Papier »Phoeno-Matt« waren weitere Schritte zu einem Top-Ergebnis.
Wer sich den Bildband „Der steinerne Gast“ zu Gemüte führt, der ist auf zwei Arten erstaunt und fasziniert: Zum einen der respektlose Umgang mit dem wortreichen Helden. Viel Witz und Ironie legen die Weimarer an den Tag, um bei einer Ablichtung in den eigenen vier Wänden den Fremdling im Umfeld seines 250.Geburtstages ins Haus zu lassen. Die Posen mit der Goethe-Büste, die im Wesentlichen der Fotograf Harald Wenzel-Orf inszenierte, kommen im einen oder anderen Fall einer Heiligen-Schändung gleich. Dank aller Regie und bildnerischen Originalqualität bringen die begleitenden Texte – Aussagen der fotogenen Zeitgenossen – das Ganze wieder auf Normalmaß.
Das andere Moment beim Aufdecken der Weimarer Privatsphäre betrifft das Ergebnis, was Wenzel-Orf (der u.a. für die Zeitschriften Merian und Spiegel arbeitet) zu Papier bringt: Schwarzweiße Impressionen, die im Falle „zu Weimar“ recht bunte Seiten der Goethe-Stadt aufzeigen. „Bunt“ braucht bei ihm keinen Farbfilm oder gedruckte Mehrfarbenskala. Er gleicht hier seinem Leipziger Kollegen, der seine schwarzweiß gehaltenen Architekturfotos, Landschaftsaufnahmen oder Portraits als „Oase für die Sinne“ bezeichnet.
Mit „MProfiPlex“ zu hohen Dichtewerten
Konkrete Hilfestellung in der Übersetzung solcher monochromen Sichtweise erhalten Fotografen wie Wenzel-Orf oder Ehritt von den ebenfalls in Leipzig ansässigen Medien Profis . Reproduziert wird dort im sogenannten MProfiPlex-Verfahren – eine Technik, die sich Geschäftsführer Steffen Klemm als Warenzeichen schützen ließ. Es geht bei dieser Bildumsetzung für den Duplexdruck um die Simulation einer fotorealistischen Wiedergabe durch individuell ausgetestetes Zusammenspiel von Auflösungs- und Gradationsarchitekturen mit deutlich höherer Druckdichte. Stärkere Pigmentierung der Druckfarben unter Nachstellung der Silberkornfärbung in warmen, kalten bzw. in bräunlich/bläulichen Schwarzwerten müssen ebenfalls ihren Beitrag zu dieser gedruckten Fotografie leisten. Dabei darf man, so Steffen Klemm, die Produktionsrisiken durch mögliches Ablegen beim Druck, Fragen der Opazität des Bedruckstoffs, die Anpassung des Druckzuwachses an das gewählte Papier nicht aus den Augen verlieren, um das Wechselspiel von Wunschvorstellung und technischer Machbarkeit im Griff zu behalten. Von daher gingen die Medien-Profis sogar so weit – gerade auch beim Buch mit Blick in die „Weimarer Wohnzimmer“ aus dem Glaux Verlag Christine Jäger (Jena) – „die Verarbeitung in Druck und Buchbinderei eigens vorzugeben und mit spezialisierten Partnern zu trainieren.“ Die Perspektiven mit MProfiPlex sind vielversprechend: Die Verlags-, Werbe- und Kalender-Branche, schon immer auf der Suche nach einem Verfahren, dass dem fotografischen Umfang auch in gedruckter Form Rechnung trägt, sieht sich in ihren Wünschen nach satter Tiefe und feinsten Lichtern bestätigt. Die Leipziger Medien Profis sind also angetreten, neben all ihren anderen Dienstleistungen der Schwarzweiß-Fotografie ein analoges Druckergebnis gebenüberzustellen.
„Geist von Weimar“
Bücher dieser Art brauchen Fürsprecher.
Einer kommt aus dem schwäbischen Lenninger Tal. Die Herausgeber sprechen im Impressum »von generöser Unterstützung« und Birger Hetzinger , Leiter Marketing & Kommunikation der Papierfabrik „Scheufelen“ , betont in seiner Einschätzung: „Mit Phoeno lassen sich Foto-Geschichten intensiver und sinnlicher erleben.“ Nachgewiesen wird dies also in dem Produkt Phoeno-Matt (170g/qm). Es trägt seinen Teil dazu bei, das Buch als Zeitgeschichte der 90er-Jahre in einer Stadt zu sehen, die vom Widerspruch zwischen Hochkultur und kleinstädtischem Leben geprägt ist. Dazu Peter Merseburger , der gleichfalls ins Bild kommt: „Weimarer ohne Goethe – ein belangloses Nest. Aber weil es ihn gab, haben später alle politischen Bewegungen den ´Geist von Weimar´ für sich reklamiert.“
Hermann Pfeiffer